St. Bartholomä

In wenigen Tagen nun erscheint Pantha du Prince neues Album “Black Noise” und es ist jeder Hinsicht spektakulär: Nicht allein, dass es beim englischen Überlabel Rough Trade erscheint und als Features unter anderem LCD-Soundssystem- und Animal-Collective- bzw. Panda-Bear-Ruhm aufwarten kann, nein, auch musikalisch ist “Black Noise” ein großer Wurf, ein Schnitt, ein Sternenstrich.
Mag ja sein, dass Hintergründe, Referenzen und der ganze Kontext vor allem im Auge des verkopften Betrachters liegen und/oder dem Hörer vollkommen wurscht sind – im Falle von “Black Noise” drängen sich ein paar Einsichten aber auf und sei es, weil Pantha du Prince aks Hendrik Weber in der Musik, der Aufmachung des Albums und den beigefügten Notizen diverse Fährten legt. Da wäre zunächst, als Bruch zum letzten Album die Abwendung vom Sphärischen und die Hinwendung zum Erdigen, Greifbaren. Nicht nur in der Aufmachung – das Cover ziert immerhin St. Bartholomä am Königsee – und in den Titel – von “Satur Strobe” zu “Bohemian Forests” findet diese Wende statt, auch in der Herangehensweise: Hendrik Weber hatte sich im Vorfeld der Albums samt Entourgae in die Berge zurückgezogen um Klänge der Natur aufzunehmen, die man dem Album durchaus anhört. Auch dann, wenn Weber den Zuhörer sicherlich ab und an auf falsche Fährten lockt.
Insofern greift Weber da Ideen auf, die auch schon in “Walden 2“seinerzeit eine Rolle spielten: Der Rückzug, der Wald, die Natur, die Stille. “Walden” ist da gleich doppelt Stichwort: Als Verweis auf den gleichnamigen Roman “Walden” aus den Wäldern, auf die Beschäftigung mit Natur und Details und den Rückzug. Und auf die Science-Fiction-Geschichte “Walden 2” in der es letztlich um Strukturen modernen Zusammenlebens geht.
Und nicht nur des Albumcovers wegen, kann man sich nicht ganz vom Gedanken losmachen, dass Weber sich hier mehr als zuvor an einem deutschen Klischee abarbeitet, zwischen Gottfried Benns Schwere und Poesie, die deutschen Wald einerseits und dem reduzierten, musikalischen Fordismus Kraftwerk’scher Schule andererseits. Das Spannungsfeld zwischen Natur und Künstlichkeit, zwischen großem Gefühl und großer Kühle ist es, was “Black Noise” so wahnsinnig intensiv und so ungluchblich phantastisch macht. Und was auch eine Art auch erklärt, warum “Black Noise” gerade auch in den USA auf großes Interesse stößt und stoßen wird (jede Wette, dass Weber im Ausland der erfolgreichste deutsche Künstler des Jahres sein wird – ohne dass das deutsche Feuilleton davon Kenntnis nehmen wird). Weil die Musik von Pantha du Prince nämlich gleichsam deutsch, als fremd ist – aber doch auch an US-amerikanische Mythen anzuknüfpen weiß: So weit ist Kraftwerks Autobahn von der Highwayromantik nämlich nicht weg und so sehr unterscheidet sich der deutsche Wald dann eben auch nicht von der Idee in Walden.
Zwei Hörbeispiele:







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